


Eine traditionelle Skelettuhr ist womöglich der ultimative Ausdruck uhrmacherischer Handwerkskunst und reicht in ihrer Geschichte bis ins 18. Jahrhundert zurück. Die als Skelettierung bekannte Technik wurde von den führenden Kunsthandwerkern jener Zeit an Taschenuhren aus zwei Gründen eingeführt. Der wichtigste Grund war, wie man sich vorstellen kann, die eigene Meisterschaft in der handwerklichen Werkveredelung zum Ausdruck zu bringen und sogar zur Schau zu stellen – zugleich diente sie jedoch auch als gewichtssparende Maßnahme. Im 21. Jahrhundert, im Zeitalter der Armbanduhr, machen diese Eckpfeiler der Werkgestaltung eine Skelettuhr zu einer der ausdrucksstärksten und eindrucksvollsten Wahlen für jeden Sammler.

Eine Skelettuhr oder skelettierte Uhr folgt einem einfachen, aber zugleich äußerst komplexen Prinzip: dem Weglassen jeglichen überflüssigen Metalls aus dem Uhrwerk. Vergleicht man dies mit dem Automobil- und Flugzeugdesign, so ähnelt es den minimalistischen, ausgesparten Fahrwerksteilen eines Formel-1-Wagens, dem Rahmen einer Rennmaschine von Ducati oder sogar dem Tragflächenskelett einer 747. Innerhalb einer Uhr jedoch ist diese Arbeit eine zeitaufwendige Aufgabe der Mikrofeinbearbeitung, bei der sichergestellt werden muss, dass ein Zahnrad oder eine Unruhbrücke trotz allem seine Stabilität für den Alltagsgebrauch bewahrt. Und anders als bei den großen Dimensionen eines Rennwagens oder Kampfjets sind die Toleranzen hier verschwindend gering – eine Fertigkeit, die nur durch jahrelange uhrmacherische Erfahrung erlernt werden kann.
Anders als die meisten Uhren definiert sich eine skelettierte Uhr nicht über ihre Funktionalität, sondern über ihre ausdrucksstarke Ästhetik. Man könnte sogar argumentieren, dass eine Skelett- bzw. skelettierte Uhr einem größeren Zweck dient: als Visitenkarte der Uhrmacherkunst im Allgemeinen. Eine Skelettuhr stellt die traditionelle Handveredelung in den Vordergrund – auch wenn heute viele Teile präzisionsgefertigt per CNC entstehen, jedoch häufig von einem einzelnen Kunsthandwerker von Hand veredelt werden. Die Skelettierung wird gelegentlich mit offenen Zifferblättern oder Werken verwechselt, bei denen das Innenleben der Uhr sichtbar gemacht wird. Viele Marken kombinieren beide Ansätze, wie etwa bei der Gerald Charles Maestro 8.0 Squelette-Serie. Die Kunst der Skelettierung ist jedoch weitaus komplexer, als lediglich ein Zifferblatt wegzulassen oder es durch eine Saphirscheibe zu ersetzen, die die Zahnräder und Triebe freilegt, welche die Zeiger antreiben. Sie vereint traditionelle Handwerkskunst mit einer für alle sichtbaren Präzision. Sie ist eine Kunstform für sich. Tatsächlich gewährt die Skelettierung einen tiefen Einblick in Mechanik und Funktionsweise der traditionellen Bestandteile einer mechanischen Uhr – sei es ein einfaches Dreizeigerwerk oder ein Chronograph.
Skelettuhren sind keine Neuheit, sondern lassen sich bis zu den Taschenuhren des 18. und 19. Jahrhunderts zurückverfolgen. Anders als der künstlerische Anspruch von heute wurde die Technik damals vor allem als Mittel gesehen, um durch Gewichtsersparnis die Tragbarkeit zu verbessern. Den Uhrmachern jener Zeit standen weder die Präzisionstechnik noch die Hightech-Materialien wie Titan oder Carbon-Verbundwerkstoffe zur Verfügung, mit denen wir heute verwöhnt sind. Das schmälert jedoch nicht die Tatsache, dass jedes offen gelegte Werk oder Zifferblatt seit jeher ein Mittel war, um das Können des Uhrmachers zur Schau zu stellen. Heute besitzen viele traditionelle Uhren auf den Wunschlisten von Sammlern eine skelettierte, offen gearbeitete Alternative – von der auktionsstarken Cartier* Crash* bis hin zu technikstarken Sportuhren wie der Keramikgehäuse-Version der 41-mm-AP*-Royal-Oak*. Dennoch bleiben dies erkennbare, teils sogar vielkopierte Formen, während der extravagante Gehäusefluss des Gerald Charles Maestro mit dem 8.0 Squelette einen eigenständigen Weg einschlägt.
*Marken Dritter ohne jegliche Verbindung zu Gerald Charles SA

Am Beispiel der Gerald Charles Maestro 8.0 Squelette wird das Konzept überaus deutlich. Das Präzisionswerk liegt offen zutage – und wird so selbst zum eigentlichen Zifferblatt der Uhr. Die Skelettierung eines Werks wie des ultraflachen Schweizer Manufakturkalibers 8.0 erfordert außergewöhnliche Kunstfertigkeit und Geschicklichkeit. Ein skelettiertes Uhrwerk kann seinen Ausgang von einem bestehenden Rohwerk sowie einem erfahrenen Kunsthandwerker nehmen. Oder aber, wie im Fall des Schweizer Manufakturkalibers 8.0, wird das Werk von Grund auf für diesen Zweck entworfen. Das Charakteristische dabei: So viel wie möglich von den Dreiviertel- und Halbplatinen sowie den Brücken des Werks wird rund um die Befestigungspunkte der Schrauben herausgearbeitet. So entsteht Gewichtsersparnis ebenso wie ein kreativer Ausdruck. Basiert die Arbeit auf einem bestehenden Werk, arbeiten Meisterhandwerker jede Komponente akribisch heraus, gravieren, ziselieren und veredeln sie mit Techniken wie Perlage und Anglage. Das Ergebnis kann teilweise oder vollständig auf der Zifferblattseite sichtbar sein oder dem Besitzer allein durch einen Sichtboden vorbehalten bleiben.
Wie bei den meisten Ergänzungen einer neuen oder bestehenden Sammlung spielt in der Regel auch das Budget eine Rolle. Bei mechanischen Skelettuhren bestimmt dies maßgeblich den Unterschied zwischen einem maschinell skelettierten Werk und einem vollständig oder teilweise von Hand veredelten Werk. Dank der rasanten technologischen Entwicklung von heute können maschinell skelettierte Werke dank Fräswerkzeugen glatte, abgerundete Kanten aufweisen. Scharfe, gewinkelte oder gerade Kanten hingegen verraten die Handschrift eines erfahrenen Uhrmachers, der nach der maschinellen Vorarbeit die Kanten von Hand nachbearbeitet und poliert. Da die transparente Optik jede mangelnde Präzision offenlegt, gibt es dabei kaum Abkürzungen. Ironischerweise zeigen selbst erstklassige Uhren mit skelettierten Werken wie eine Audemars Piguet* Royal Oak* oder eine Hublot* Big Bang* unter der Lupe mikroskopisch kleine, nicht perfekte Details. Für einen Sammler unterstreicht dies jedoch nur, wie viele Arbeitsstunden in dieses jahrhundertealte Handwerk geflossen sind. Uniformität und Perfektion sind bei einer Uhr nicht immer das Ziel – vielmehr zählt das intensive, persönliche Gefühl von Handwerkskunst und Stil.
*Marken Dritter ohne jegliche Verbindung zu Gerald Charles SA
Aus gutem Grund verfügen die beliebtesten skelettierten Uhrendesigns über Handaufzugswerke, wie etwa die Gerald Charles Squelette mit ihrem Mikrorotor-Design. Der Grund liegt auf der Hand: Die Schönheit des offen gearbeiteten Werks verdient es, vollständig in Szene gesetzt zu werden, statt teilweise von einem großen oszillierenden Rotor verdeckt zu sein. Welche Variante Sie wählen, ist letztlich Geschmackssache – und da heutige Handaufzugskaliber über beachtliche Gangreserven verfügen, genügt es meist, die Uhr ein- bis zweimal pro Woche aufzuziehen. Dennoch besitzt der Gedanke, dass die eigene Bewegung ein mechanisches Uhrwerk antreibt, einen ganz besonderen, beruhigenden Reiz. Die Wahl eines 22-Karat-Goldrotors, wie er in der hauseigenen Squelette-Serie von Gerald Charles zum Einsatz kommt, zeigt eindrucksvoll, wie dieses rein funktionale Bauteil zu einem eigenständigen Gestaltungselement werden kann – ein sich bewegendes Kunstwerk innerhalb des dunkelgrauen Kalibers, das einen markanten Kontrast erzeugt, der von beiden Seiten der Uhr sichtbar ist.
Innerhalb des wachsenden Portfolios von Gerald Charles ist die Maestro 8.0 Squelette die skelettierte Version des weiterentwickelten, ursprünglichen Maestro-Designs von Gerald Genta. Für die Squelette entwickelten die Ingenieure des Hauses das automatische Kaliber Ref. GCA 5482 mit einer skelettierten, anthrazitfarbenen Veredelung seiner Mikroarchitektur. Das eigens entwickelte Kaliber verfügt über einen massiven Mikrorotor aus 22-karätigem Roségold mit einem gebürsteten, geschliffenen Muster, das von der Zifferblattseite aus sichtbar ist. Das Kaliber GCA 5482 wurde mit dem doppelseitigen Reiz eines zifferblattlosen Designs konzipiert, wobei Designer Octavio Garcia das Thema der Himmelskarte wählte.
Innerhalb des hauseigenen GCA 5482 zeigt sich Garcias Inspiration deutlich in der Architektur der Brückenkonstruktion: Der Käfig, der den Mikrorotor hält, ist in Form einer Sternschnuppe gestaltet, deren Strahlen sich verspielt über die 22-karätige Form ausbreiten. Sämtliche Brücken der Squelette-Uhrenserie sind in einem dunkelgrauen, anthrazitfarbenen NAC-Finish gehalten und bilden so einen wohlüberlegten Kontrast zu den Stahl- oder Goldgehäusen der jeweiligen Referenzen. Ich gebe zu, eine besondere Schwäche für skelettierte Designs wie die Maestro 8.0 Squelette zu haben. Durch die Dualität von Gehäuseboden und Zifferblattkunst schöpft sie das renommierte Handwerk der Gerald-Charles-Uhrmacher voll aus und hebt die Marke einmal mehr von anderen ab.